Bye bye Sporty! – Eine Legende weniger im Programm

Erste Sportster 1957

Im Zeitalter des klassischen Rock ‘n‘ Roll, genauer gesagt 1957 von Harley-Davidson an den Start gebracht, sind die Sportster-Modelle eine der traditionsreichsten Baureihen auf dem gesamten Motorradmarkt. Dass die bis heute gebaute Legende ab 2021 hierzulande nicht mehr Harleys Angebotspalette bereichert, ist Grund genug, in jene Zeit zurückzublicken, in der die Sporty antrat, das ultimative US-Muscle-Bike zu werden!

Elvis Presley 1956
Elvis fuhr die 1956er KH-Variante des K-Modells, welche einige Details aufwies, die der 1957 eingeführten Sportster sehr ähnlich waren.

Zweiradbegeisterte Amerikaner fuhren Mitte der 50er-Jahre zusehends auf britische Motorräder ab. Was die Motor Company aus Milwaukee veranlasste, den wendigen und schnellen Maschinen von der anderen Seite des großen Teichs etwas entgegenzusetzen. Denn die der Sportster optisch ähnelnden K-Modelle aus der Harley-Palette hatten sich als nicht wirklich geeignet erwiesen, den Briten Paroli zu bieten. Der als Einheit von Motor und Getriebe in den Rahmen der neu eingeführten Sportster eingebaute 883 Kubikzentimeter große 45°-OHV-V-Twin von 1957 setzte einen Meilenstein in der technischen Evolution der Antriebsaggregate von Harley-Davidson. Hinzu kam, dass sich die mit dem Typenkürzel XL versehene Sporty durch ein für damalige Verhältnisse absolut modernes Fahrwerk auszeichnete. Die Sportster hatte durchaus das Zeug, all jenen, die sich sagten, “Ride like the Rockers!“, eine Alternative zu den oft in Cafe Racer umgebauten britischen Bikes zu bieten. Also jene Art von heißen Öfen, auf denen in England die “Ton-up Boys“ ordentlich Gas gaben, um waghalsig die “Ton“ genannte 100-mph-Marke zu knacken.

Der in den Sportsters von 1957 bis 1985 verbaute sogenannte “Ironhead“-Motor setzte einen Meilenstein in der Entwicklung der Harley-V-Twins.

Die Sportster wurde ihrem Namen gerecht

Die Sporty – hier ein 1965er Modell – bot eine Alternative zu den oft in Cafe Racer umgebauten britischen Bikes.
Über die Jahrzehnte – auf diesem Bild eine XL von 1988 – wurde die Sportster unter Beibehaltung des Appeals, mit dem sie in den 50er-Jahren an den Start gegangen war, stets modellgepflegt und weiterentwickelt.

Angesichts von sportlichen Ablegern wie der Flat-Track-Rennmaschine XR 750 sorgte die Sportster – ihrem Namen gerecht werdend – auch im Motorsport für Furore. Mit dem Harley-Davidson-Streamliner auf Sportster-Basis konnte 1970 angesichts von 427,5 km/h Top-Speed auf den Bonneville Salt Flats gar ein Geschwindigkeitsweltrekord eingefahren werden.

Bis in die Gegenwart wurde das agile Milwaukee-Eisen unter Beibehaltung des Appeals, mit dem sie in den 50er-Jahren an den Start gegangen war, stets modellgepflegt und weiterentwickelt. Den 2020er-Jahrgang bewarb Harley hierzulande mit dem Slogan “Die große American Freedom Machine“. Das Aus der Sportster für den Verkauf in Europa wurde durch sich ändernde Schadstoffauflagen besiegelt, deren Erfüllung den Entscheidern in Milwaukee bezüglich des Aufwands und der Kosten offensichtlich zu hoch war. In den USA wird die Sportster auch 2021 weiterhin angeboten, allerdings in weniger Modellvarianten. Gute Chancen also, dass die in den Fifties verwurzelte Motorradlegende 2022 ihre 65-jähriges Jubiläum feiern kann.

Fotos: Harley-Davidson

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