JD McPherson – vom Kunstlehrer zum Rockabilly-Star

Es hätte auch alles ganz anders kommen können für JD McPherson. Hätte ihm damals in seiner Jugend das Mädchen im Plattenladen keine Buddy-Holly-Box Box geschenkt oder hätte er seine Anstellung als Kunstlehrer behalten, wer weiß, ob “Signs and Signifiers” jemals veröffentlich worden wäre. Rockabilly Fans möchten sich solche Szenarien lieber nicht ausdenken. Schließlich hat kaum ein anderer die 50s auf diese unnachahmliche Art wieder zum Leben erweckt in den letzten Jahren.

Punk, Buddy Holly und die Lust an der Kunst

Jonathan David “JD” McPherson wuchs auf dem Land auf, im Buffalo Valley in Oklahoma. Während seine Eltern als Farmer tätig waren, entwickelte der junge JD früh ein breites Interesse an der Kunst. Das schloss so unterschiedliche Dinge wie Malen, das Filmen von Videos und das Gitarrespielen in örtlichen Punkbands ein. Dafür, dass der Teenager die Ramones durch Buddy Holly ersetzte, war besagtes Mädchen aus dem Plattenladen maßgeblich verantwortlich. Ihr Geschenk gab den Anstoss dafür, dass JD McPherson eine Liebe zu den rockigen Klängen der 50s entwickelte, die ihn nie mehr loslassen sollte.

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JD McPherson, Jimmy Sutton und Band / Jonathunder (wikimedia.com)

Zunächst sah es allerdings nicht so aus, als würde JD McPherson eine Karriere als Rockstar ansteuern. Stattdessen fand er nach dem Abschluss seines Studiums eine Anstellung als Kunstlehrer an der Middle School in Tulsa. Dass er auch in dieser Position bevorzugt abseits des Mainstreams unterwegs war, könnte ihn letztlich den Job gekostet haben. Vor allem der von ihm gegründete Mixtape Club, in dem McPherson seine jungen Schüler unter anderem mit der Hardcore-Punk-Legende “Bad Brains” bekannt machte, sorgte nach vier Jahren für die Entlassung – und einen grandiosen Neuanfang. Denn jetzt war die Zeit da für den Familienvater, sich ohne schlechtes Gewissen ganz dem Rock’n’Roll zu widmen.

“Signs & Signifiers” – der fulminanten Einstieg von JD McPherson

Mit dem Bassisten und Inhaber von Hi-Style Records Jimmy Sutton hatte sich JD McPherson genau den richtigen Adressaten für sein Soloprojekt ausgesucht. Schließlich einte beide – schon auf den ersten Blick sichtbar – die Liebe zum Sound und Style der 50s, angereichert mit einem Hauch rotziger Punk-Attitüde. Für beide erwies sich die Zusammenarbeit außerdem als der entscheidende Schritt ins Scheinwerferlicht großer Bühnen.

Denn das innerhalb einer Woche in Suttons Studio aufgenommen “Signs and Signifier” kletterte nach seinem Major-Release 2012 immerhin auf Platz 47 der Billboard Rock Album Charts. Vor allem aber spielten sich der ehemalige Kunstlehrer und seine beseelte Band mit Nummern wie “North Side Gal” im Handumdrehen ins Herz von Musikhörern aller Generationen und fanden sich plötzlich auf den großen Festivalbühnen dieser Welt wieder. Dabei hatte Mc Pherson ursprünglich allenfalls damit gerechnet, ein Album für Liebhaber zu machen, das ihm gelegentlich ein paar Gigs einbringen würde.

Auch Sutton, der sich nach den Aufnahmen dazu entschloss, als festes Bandmitglied bei McPherson einzusteigen, hatte wohl kaum geahnt, welchen Ruf er mit der Produktion von “Signs & Signifiers” in Musikerkreisen erlangen sollte. Erst kürzlich produzierte der begnadete Bassist das neue Album von Songwriter Pokey LaFarge. Übrigens: McPhersons Leidenschaft für Kunst und seine akademische Vergangenheit schlug sich auch in “Signs & Signifiers” wider. Immerhin ist der Albumtitel von dem französischen Philosoph Roland Barthes inspiriert. Allerdings ist es für den frischgebackenen Rockstar mittlerweile klar, dass er Little Richard noch ein wenig mehr liebt als Joseph Beuys.

“Let The Good Times Toll” – Mehr 60s zu den 50s

Mittlerweile hat JD McPherson überzeugend bewiesen, dass er keine Eintagsfliege ist und dass sein persönlicher Mix aus Rock’n’Roll, Rockabilly und Rhythm’n Blues auch auf einem zweiten Album so quicklebendig klingt wie auf “Signs & Signifiers”.”Let The Good Times Roll” ist gleichzeitig eine logische Fortsetzung und ein spannender Trip in neue Gefilde. Während auch hier wieder lässig swingender und treibender Rock’n’Roll den Ton angibt, haben nach McPhersons eigenem Empfinden die 60s verstärkt Einzug gehalten – vor allem mit dominanten Fuzz-Gitarren. Die gemeinsam mit Freund und Black-Keys-Mitglied Dan Auerbach produzierte Doo-Woop-Ballade “Bridgebuilder” zeigt McPherson dagegen von einer ganz neuen Seite.

Dass der Sänger auch als Musiker künstlerischen Experimenten nicht abgeneigt ist, beweist das Video zum Titelsong seines aktuellen Albums. Das Paar mit Kind, das darin die Hauptrolle spielt, hatte McPherson auf Tour getroffen und für einen spontanen Dreh in das Haus eingeladen, in dem er und seine Band übernachteten. Das Ergebnis ist anders, als man es von einem Rock’n’Roll-Video erwarten könnte und passt doch laut McPherson perfekt zu diesem “existentialistischen Song”. Einmal Künstler, immer Künstler eben.

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