Album-Review: The Sweet Simones – Pocket Moon

Glitzernde Ballrooms, lässige Asphaltcowboys mit Hut und aufreizend gekleidete Damen, die lange Zigarettenspitzen auf den Fingern balancieren – alles Geschichte? Nicht wenn es nach den “Sweet Simones” geht. Auf Ihrem Debüt “Pocket Moon” lässt die 9-köpfige Band aus München die Coolness und Eleganz der Swing-Ära wieder lebendig werden.

 

Vom Trio mit Simone zur Mini-Bigband

Die Geschichte der Sweet Simones begann ganz klassisch mit einem Aushang, den Sänger Franz beim Kaffeeholen entdeckte. Mit diesem suchte Pianist und Bandleader Aljoscha musikalische Mitstreiter. Der Bandname entstand bald darauf, als die Urform der heutigen Band, die mittlerweile zum Trio angewachsen war, ihren ersten Gig spielen sollte. Dann verlangte der Veranstalter verständlicherweise nach irgendeiner Bezeichnung, die er auf das Plakat schreiben konnte, und nachdem die damalige Bassistin der Band Simone hieß – nun ja, manchmal bevorzugen auch Musiker den direkten Weg.

The Sweet Simones

The Sweet Simones lassen die Eleganz der Swing-Ära wieder lebendig werden.

Die Bassistin ging irgendwann, dafür kamen viele andere und der Bandname blieb. Heute präsentieren sich The Sweet Simones ohne Simone als stolze Mini-Bigband mit vier Bläsern, einer ebenso großen Rhythmusgruppe und Sänger Franz. Der achtet als modebewusster Rock’n’Roller mit Einstecktuch auf das stilvolle Outfit seiner Musikerkollegen, während Aljoscha den Großteil der Arrangements übernimmt.

Dabei beschränkt sich die Münchner Swingband nicht auf das Nachspielen von Covern aus der goldenen Ära des Swing. “Pocket Moon” präsentiert 10 Kompositionen aus eigener Feder, die genauso authentisch wie modern klingen und leidenschaftliche Tänzer in Scharen auf die Tanzfläche treiben, während der Rest fingerschnippend und zehenzuckend danebensteht.

 

Pocket Moon – The Sweet Simones zelebrieren lässigen Swing für die Smartphone-Generation

Schon der Opener “The Chili Boys” gibt die Marschrichtung vor für “Pocket Moon”, das im Realistic Sound Studio in München aufgenommen wurde. Allerdings sind Märsche das genaue Gegenteil von dem, was The Sweet Simones auf Ihrem Debüt präsentieren. Denn hier steht alles im Zeichen swingender Lässigkeit. Ob die geschmeidigen Bläserriffs in Uptempo-Nummern wie “Welcome to A-Street” oder dem Instrumental “Chimp”, das Fingerschnippen im Intro von Pocket Moon oder das dezent im Hintergrund perlende Klavier im After-Hour-Swing “Birds Don’t Know Why They Fly”, The Sweet Simones kennen die Zutaten, die den Körper unwillkürlich zum Zucken bringen und Lust auf einen gerührten Martini machen. Und auch eine charmant dahinschleichende  Ballade für den Kater danach gibt es mit “Music Box.”

Pocket Moon

“Pocket Moon” klingt, wie es aussieht.

Die gut geölte Stimme von Sänger Franz wechselt sich dabei mit geschmackvollen Soli ab, getragen von einer Rhythmusgruppe, die mit unverschämter Lässigkeit laid back und treibend gleichzeitig klingt. Ein schwungvoller Soundtrack für jede Swing-Party, der Schwarz-Weiß-Bilder aus dem New York der 30er-Jahre heraufbeschwört, ohne in Nostalgie abzudriften. Denn letztendlich ist “Pocket Moon” astreiner Neo-Swing, wie ihn Brian Setzer mit seiner Bigband, die “Cherry Poppin’ Daddies” oder “Big Bad Voodoo Daddy” zelebrieren, staubfrei, zeitlos und mit einer gut dosierten Prise modernem Popappeal. Wer Lust auf Hut und Hosenträger hat, ist hier trotzdem gut aufgehoben.

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