Jukebox History – Streifzug durch die Geschichte der Musikbox

Jukebox Leuchten

Stets am zweiten Oktober-Wochenende findet im Autotron von Rosmalen “Rock around the Jukebox“ statt – die weltgrößte Börse für technische Antiquitäten und Memorabilia aus jener Zeit, als Musik noch komplett handgemacht war. Ein Rundgang durch die Veranstaltungshalle ist in jedem Jahr so etwas wie ein Streifzug durch die Historie der Jukebox. Was uns inspirierte, im Folgenden die Geschichte der Musikbox zu erzählen.

Grundstein für die Jukebox

Beim Anblick einer Musikbox – insbesondere, wenn es sich um eines der mit Chrom nicht geizenden Exemplare der Fünfzigerjahre handelt – dürfte wohl jeder unter uns sogleich an die Kindertage des Rock’n‘Roll denken. Doch die Geschichte der Jukebox reicht deutlich weiter zurück. Den Grundstein legte Louis Glass, in dem er am 23. November 1889 im Restaurant Palais Royal in San Francisco den von ihm erfundenen automatischen Phonograph vorstellte. Schon bald wurde das Gerät, welches von einer Wachswalze Musik wiedergeben kann, in größeren Mengen produziert – ungeachtet schlechter Tonqualität und der maximal zweiminütigen Abspielzeit von Stücken.

 

Jukebox

Die Qual der Wahl – Jeweils 200 Musiktitel bieten diese AMI-Musikboxen.

Echtes Massenphänomen

Zu einem echten Massenphänomen wurden Musikautomaten in den USA erst als sich die Schellack-Platte durchsetze. Mit den zerbrechlichen Rundlingen konnten Stücke von bis zu etwa dreieinhalb Minuten in weitaus besserer Qualität als vorher zu Ohr gebracht werden. Um ordentlich “Bucks“ zu machen, arbeiteten Musikautomatenhersteller emsig an der Entwicklung münzbetriebener Abspielgeräte, für die sich ab Ende der 1930er-Jahre die Bezeichnung “Coin-Operated Phonograph“ verbreitete. Das “Golden Age“ war angebrochen, und Produzenten wie die Rudolph Wurlitzer Company, J. P. Seeburg, Rock-Ola, Evans oder die Automatic Musical Instrument Corporation (AMI) lieferten sich ein heißes Rennen um die besten Musikautomaten mit immer lauteren Verstärkern und immer tollerem Sound. Im Zuge der Vorstellung der AMI A – “Mother of Plastic“ genannt – fiel denn 1946 auch der Begriff “Jukebox“.

 

Wurlitzer 1015 Jukebox

Mit Schellack-Platten befüllte Wurlitzer 1015 – die wohl bekannteste und populärste Musikbox aller Zeiten

 

Wurlitzer Jukebox

Typisch “Golden Age” – Holz und Licht hinter Plexiglas dominieren das Design dieser Wurlitzer.

 

Unverzichtbares Inventar

“Juke“ – manchmal auch “Jook“ – stammt aus dem kreolischen Sprachraum und ist ein Wort für Musik und Tanz – belegt mit einem obszönen Unterton. In den “Juke Joints“ genannten, einfachen ländlichen Kneipen im Südostens der USA, wo der Alkohol floss und die Party hemmungslos abging, gehörte die Jukebox zum unverzichtbaren Inventar. Aber längst nicht allein dort, denn wohl spätestens in den Fünfzigern gab es in Amerika praktisch kein Lokal mehr ohne Musikbox. Abweichend von dem im “Golden Age“ durch kunstoffverkleidete Lichtbögen und Holz dominierten Design, charakterisieren üppiger Chrom und viel Glas die Musikautomaten des darauf folgenden “Silver Age“. Weiterhin typisch für Musikboxen der Fifties sind von Automobilen übernommene Stilelemente, die an Panoramascheiben, Heckflossen oder Düsentriebwerken ähnliche Rückleuchten erinnern. Zudem hatten seinerzeit bereits die gegenüber den Schellack-Platten fortschrittlicheren 45-rpm-Singles in den Musikboxen Einzug gehalten. Durch hierzulande stationierte GIs, wurde die Jukebox schließlich auch auf dieser Seite des großen Teichs populär.

 

Seeburg Jukebox

Coole Show – Auf einer Laufschiene senkrecht angeordnet ist das beweglich Laufwerk dieser Seeburg.

 

Jukebox

Bekannt von Cadillac & Co. – an Düsentriebwerke erinnernde Leuchten

 

Magie bis heute geblieben

Nachdem Musikboxen über Jahrzehnte ein gewichtiger Teil der Popkultur waren und auch in vielen Songs besungen wurden, machten die Disco-Welle und immer mehr verfügbare kleine Abspielgeräte den voluminösen Musikautomaten den Garaus. Dennoch ist die Magie bis heute geblieben. Noch immer ist es ein Erlebnis, wenn der Nickel oder ein sonst passendes Geldstück gefallen ist, den Greifarm zu sehen, der sich wie von Geisterhand die Platte holt und auf den Teller legt. Dann das Knistern der Nadel, die verzögert einsetzende Musik, das Knacken und Vibrieren der aus einer ganz und gar anderen Zeit stammenden Apparatur … Und, wie war das noch? Totgesagte leben länger! Seit Mitte der Achtziger formierte sich zusehends eine überaus aktive Szene von Musikbox-Liebhabern, die die alten Stücke hegen und pflegen. Was auch zu verschiedenen Events und Börsen führte – nicht allein in den USA, sondern vielerorts und allem voran im niederländischen Rosmalen, wo 1988 “Rock around the Jukebox“ an den Start ging, um sich zum weltgrößten Event seiner Art zu mausern. Wer selbst im Autotron dabei sein möchte, muss nicht bis zum nächsten Oktober warten. Bereits am 14. Mai 2023 findet die Open-Air-Ausgabe von “Rock around the Jukebox“ statt. Näher Informationen dazu und rechtzeitig auch zum 2023er Hallen-Event unter: www.jukeboxfanaat.nl

 

Plattenteller in Jukebox

Keineswegs im Verborgenen – Einen optischen Reiz bietet der sichtbare Plattenteller.

 

AMI Continental Jukebox

Vom “Space Age“ inspiriert – Absolut extravagant zeigt sich die AMI Continental.

 

Jukebox Design

Hoch die Flossen – Design-Elemente aus dem Automobilbau sind typisch für die Musikboxen der Fifties.

 

Jukebox

Hi-Fidelity – Die Jukebox-Hersteller wetteiferten um den perfekten Sound.

 

Stereo Jukebox

Stereo – ein Reizwort für an Mono gewöhnte Ohren

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