Wer war Rosie the Riveter wirklich?

Rosie the Riveter

“We can do it!”Das Bild der entschlossenen jungen Dame, die als “Rosie the Riveter” bekannt ist, haben die meisten schon einmal gesehen – auf so unterschiedlichen Dingen wie Protestplakaten, Kaffeetassen oder Handtüchern. Doch wer war eigentlich die echte Rosie?

Die “We Can Do It”- Rosie ist ein Nachzügler

In den 40er-Jahren war Rosie the Riveter eine Kunstfigur, die in vielen verschiedenen Facetten und an vielen Orten auftauchte, aber vorrangig einem Zweck diente: Sie sollte Frauen dazu ermuntern, die ihnen bis dahin zugewiesene Rolle als hundertprozentige Mutter, Hausfrau oder Telefonistin abzulegen und in der Rüstungsindustrie zu arbeiten. Mit einem Großteil der gesunden Männer an der Front herrschte dort schließlich akuter Personalmangel. Da konnte man schon einmal Gleichberechtigung predigen, damit Munition und Fallschirme nicht ausgingen.

Was viele nicht wissen: Das heute legendäre “We Can Do It”-Motiv, das J. Howard Miller für Westinghouse Electric produzierte, hing nur für kümmerliche zwei Wochen in Fabriken des Unternehmens aus. Dort diente es auch nicht Rekrutierungszwecken. Es sollte vielmehr schon angeheuerte Frauen motivieren, noch härter als bisher zu schuften.

Ganz anders dagegen ein Titelbild der Saturday Evening Post, das im Mai desselben Jahres in millionenfacher Ausführung erschien. Gemalt hatte es der Künstler Norman Rockwell . Es zeigt eine kräftig gebaute, rothaarige Frau im Denim-Overall, die gerade ein Sandwich verspeiste, eine großzügig dimensionierte Nietpistole im Schoß (“Riveter” heißt im Englischen “Nieter”). Auf ihrer Lunchbox ist in großen Buchstaben “ROSIE” zu lesen und im Hintergrund prangt eine amerikanische Flagge. Außerdem stellt Rosie ihre Füße demonstrativ auf einer Ausgabe von “Mein Kampf” ab. Rockwells Motiv wurde schnell zu einer der bekanntesten Verkörperungen von Rosie the Riveter.  Erfunden hatte er die Figur nicht. Diese Ehre gebührte den beiden Komponisten John Jacob Loeb und Redd Evans. Ihr Song “Rosie The Riveter” handelte, wie könnte es anders sein, von einer Frau, die sich am Fließband für das Kriegswohl abrackerte. In der Version der “Four Vagabonds” wurde er zu einem Hit.

Dass das “We Can Do It”-Motiv nach dem Krieg Rockwells Werk ablöste, hatte vermutlich einen ganz simplen Grund: Rockwells strikten Umgang mit dem Urheberrecht. Dazu kommt, dass seine muskulöse Rosie vor Amerikaflagge nicht ganz so zeitlos wirkt. Millers forsch blickende Schönheit dagegen ist ein echter Allrounder. Entsprechend wurde sie in den 80er-Jahren als feministisches Symbol wiederentdeckt – eine Bedeutung, die ihr Schöpfer vermutlich nicht im Sinn gehabt hatte.

Die echte Rosie the Riveter

Sowohl Millers als auch Rockwells Rosie hatte ein echtes Vorbild: Im zweiten Fall war Mary Doyle Keefe die glückliche – oder auch weniger glückliche. Denn die 19-jährige Telefonistin war im wirklichen Leben deutlich zierlicher als auf Rockwells Coverbild, eine Tatsache, für die sich der Künstler im Nachhinein persönlich entschuldigte. “Mein Kampf” hatte sie übrigens nie gelesen.

Wer für Millers Motiv Model stand, war lange Zeit umstritten. Heute geht man davon aus, dass es auch hier ein reales Vorbild gab, allerdings nicht Geraldine Hoff Doyle, wie lange angenommen. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass Miller sich an der jungen Naomi Parker Fraley orientierte, die zur Entstehungszeit des Posters in der Flugzeugmontage arbeitete und erst viele Jahrzehnte später von dieser Ehre erfuhr.

Frau in Fabrik

Rosies gab es viele in den 40er-Jahren.

Zusätzlich gab es während des Zweiten Weltkrieges noch eine ganze Reihe anderer Rosies auf Postern und Fotos sowie in Propagandafilmen. Gemeinsam hatten sie, dass es sich um hübsche weiße Frauen bei der Arbeit in der Kriegsindustrie handelte.  Eine davon sollte später eine echte Berühmtheit werden. Denn Marilyn Monroe, damals Norma Jeane Dougherty, arbeitete ebenfalls in der Rüstungsindustrie und wurde dabei von einem Fotografen als Rosie-Modell entdeckt. Der Auftraggeber hinter diesen Bildern war niemand Geringerer als der spätere US-Präsident Ronald Reagan.
Titelbild:

We Can Do It! Lunchbox by Mike Mozart (CC BY 2.0)

Foto “echte Rosie”:

WomanFactory1940s by Howard R. Hollem (gemeinfrei)

 

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