Album Review: Johnny Rocket “Come A Little Closer”

Johnny Rocket

Bei Amerikanern weckt der Name “Johnny Rocket” vor allem Asssoziationen an Burger. Deutsche Musikfans verbinden ihn dagegen mit einer kleinen, aber feinen Institution im Bereich “Kick Ass Rock’n’Roll”. Diese Institution ist jetzt nach langer Wartepause zurück. “Come A Little Closer” lässt es allerdings langsamer angehen als früher.

 

Mehr Blues, weniger Punk

“Stell dir vor Johnny und BB treffen sich mit Lemmy und Slash in einer schäbigen Spelunke, betrinken sich und gründen eine Band.” So beginnt die offizielle Bandinfo von Johnny Rocket. Tatsächlich war der Sound der Band aus Ravensburg schon immer ein wildes Gemisch aus erdigem Rock’n’Roll, Country, Blues und Punk. Damit drängten sich Assoziationen zu dem dreckigen Schweinerock skandinavischer Bands wie The Hellactopers oder Backyard Babies förmlich auf.

Cover "Come A Little Closer"

Auf “Come A Little Closer” mussten Fans von Johnny Rocket lange warten.

Und wie Letztere sind auch Johnny Rocket nicht totzukriegen. “Come A Little Closer” erscheint nach einer 9-jährigen Schaffenspause. Es präsentiert die Band lebendig und trotzdem hörbar älter. Denn wo auf dem letzten Album “Dance Embargo” noch viel Hochgeschwindigkeitspunk den Namen Lügen strafte, öffnet der Neuling die Türen ein klein wenig weiter für bluesige Töne.

 

Auf “Come A Little Closer” nehmen Johnny Rocket Gas raus

Natürlich ist auch auf “Come A Little Closer” Vorwärtsdrang angesagt. Zwar beginnt der Opener “Got To Tell You” recht gemächlich, doch nach knapp 2 Minuten geht standesgemäß mit geslapptem Bass die Post ab. Und auch sonst bleibt die Musik auf Johnny Rockets neuestem Streich größtenteils pogotauglich. Doch mit Ausnahme von “Jesus And The Motherfuckers” wird die Schraube kaum auf Anschlag gedreht. Stattdessen gibt es reichlich Stampfer. Und sogar swingen darf es, zum Beispiel in “I Like You Baby”, das mit seinem hymnischen Chorus zum Mitsingen einlädt.

Dabei stellt sich beim Hören schnell heraus, dass dieses Rezept manchmal funktioniert – und manchmal noch nicht ganz. So überzeugen “Beggin For More”, “Yeah Yeah Yeah” und “Sold My Soul” als adrenalingeladene Rocker mit Drive und der Titelsong sorgt mit locker beschwingtem Groove für gute Laune. Dagegen bleibt “Anywhere” stecken, bevor es richtig an Fahrt aufgenommen hat. Auf wenig Gegenliebe bei Soulfans dürfte “Bring It On Home To Me” stoßen. Denn Sam Cookes Klassiker schleppt sich bei Johnny Rocket dahin wie ein volles Bierfass mit Schlagseite. Und auch die Idee, “Kiss” mal eben als geradlinigen Rocksong runterzubrettern, geht nicht ganz auf. Davon abgesehen gibt Sänger Schoby einen erstklassigen Lemmy ab, wenn es bedächtiger wird, geht er dagegen fast im Rest der Band unter.

Fazit: “Come A Little Closer” hinterlässt einen gemischten Eindruck. Während die Band da, wo sie ihrem Sound weitgehend “treu” bleibt. ein weiteres Mal mit druckvollem Kick Ass Rock’n’Roll überzeugt, geht der Versuch, an anderen Stellen das Gas rauszunehmen, noch nicht ganz auf. Auf der anderen Seite ist Stillstand bekanntlich der Tod und bis zum nächsten Mal haben Johnny Rocket bestimmt auch den Blues im Griff.

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