Album Review: Tiger Army – Retrofuture

Seit die Love Parade und ein Zirkus in Berlin den entscheidenden Anstoß für ihren Bandnamen gaben, haben sich Tiger Army zu einem der wichtigsten Vertreter des modernen Psychobilly entwickelt. Jetzt steht ihr neues Album mit dem tollen Namen “Retrofuture” in den Startlöchern und wir haben gleich mal reingehört.

 

Alles auf neu, oder was? – Retrofuture schaut von hinten nach vorn

Wer bei dem Albumnamen “Retrofuture” Angst bekommt, Tiger Army hätten sich zu Loops und Autotune bekehren lassen, darf beruhigt sein. Laut Sänger Nick 13 steckt dahinter vielmehr die Idee, einen Sound zu kreieren, der so klingt, wie sich Menschen Mitte des 20. Jahrhunderts Rock’n’Roll der Zukunft vorgestellt hätten.

Albumcover Tiger Army Retrofuture

Erst zurück und dann in die Zukunft – Retrofuture von Tiger Army.

Liest sich abgefahrener, als es sich anhört. Denn tatsächlich klingt “Retrofuture” vor allem nach Tiger Army mit einem kräftigen Schuss Strand- und Südseefeeling. Besonders “Beyond The Veil”, “Last Ride” und “Sundown” zelebrieren atmosphärische Surfgitarren.

Das Instrumental mit dem vielversprechenden Namen “Night Flower” geht noch einen Schritt weiter. Verträumt schunkelt es im stilechten Walzertakt dahin, bis man nicht mehr sicher ist, ob man nicht aus Versehen eine Scheibe von den Shadows aufgelegt hat. Und weil das noch nicht genug ist, wechselt Nick 13 schließlich (wie schon einmal auf der Scheibe “Music From Regions Beyond”) ins Spanische und trällert voller Inbrunst “Mi Amor La Luna” über einem lupenreinen Latin-Groove. Die Zukunft ist bzw. war eben im warmen Süden.

Tiger Army bescheren ihrem Sound neue Leichtigkeit

Doch Angst bekommen? Keine Sorge, Tiger Army haben auf “Retrofuture” das Rocken nicht vergessen. So ist die Singleauskopplung “The Devil That You Don’t Know” ein echtes Midtempo-Brett mit meterdicken Stromgitarren und “Death Card” klingt so kompromisslos, wie es der Name verspricht. “Eyes Of The Night” erinnert nicht nur mit seinen knapp 1,20 Minuten Länge an die Ramones.

Bandfoto Tiger Army

Finster aus der Wäsche schauen, fröhlich klingen – manchmal keine schlechte Kombination (Foto: Travis Shinn).

Davon abgesehen verpassen Tiger Army auch ihren Surf- und Südsee-Ausflügen genug Rock’n’Roll-Feeling, damit das Ergebnis immer noch nach Psychobilly klingt – nur eben eine ganze Portion leichtfüßiger als gewohnt. Gerade das ist aber alles in allem ziemlich überzeugend, vor allem gepaart mit dem Sinn für eingängige Melodien und packende Hooks, den Tiger Army auf “Retrofuture” einmal mehr beweisen. Früher war die Zukunft eben noch in Ordnung.

 

Titelbild: Travis Shinn

 

 

Wer jetzt Lust bekommen hat, Tiger Army mit ihrem neuen Album im Gepäck live zu hören, kann dies zu den folgenden Terminen:

15.11.2019: Hannover – Indiego Glocksee
16.11.2019: Leipzig Conne Island
17.11.2019: Hamburg – Fabrik
19.11.2019: München – Strom
20.11.2019: Wien (AT) – Arena
22.11.2019: Berlin – Lido
23.11.2019: Bochum – Matrix
Support: GRAVE PLEASURES + THE SEWER RATS (DE only)

 

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