Hot Rods – Geschichte einer Legende auf vier Rädern II

1934 Ford Hot Rod

Die 50er Jahre waren unbestritten die goldene Zeit des Hotrodding. Selbst an der Ostküste, fernab von Kalifornien, lieferten sich junge Männer nun waghalsige Rennen mit umgebauten Model Ts oder führten ihre Freundin in aufsehenerregenden Custom Cars in die Eisdiele aus. Das eigene Auto wurde mehr als je zuvor zu einem Ausdruck für den eigenen “Way of Life” und zu einer Absage an die Langeweile eines gutbürgerlichen Lebens.

Lead Sleds versus Ricky Racers

Heute stecken wir Hot Rods und Custom Cars gerne in eine Schublade – nicht ganz ungerechtfertigt, denn die Grenze zwischen beiden ist längst durchlässig geworden. Genauso hat sich bei den Fahrern aus beiden Lagern das Gefühl durchgesetzt, dass man trotz aller kleinen Unterschiede irgendwie doch zur selben Gruppe gehört.

In den 50er Jahren sah die Sache anders aus. Für manch einen Hotrodder waren Custom Cars vor allem unerträglich langsam und ihre Fahrer Ignoranten, die Umbauten in der Werkstatt erledigen ließen, statt sich selbst schmutzig zu machen. Custom Cars wurden wegen der intensiven Verwendung von Blei als Füllmittel bei Karosserieumbauten als “Lead Sleds” (Bleischlitten) bezeichnet. Die so Angegriffenen konterten, indem sie Hotrodder als “Ricky Racers” titulierten und ihnen vorwarfen, sie hätten keinen Sinn (und noch weniger Ahnung) von Aesthetik.

James Dean war auch im echten Leben ein Fan schneller und schicker Autos

James Dean war auch im echten Leben ein Fan schneller und schicker Autos

Braven Bürgern und strengen Sittenwächtern waren beide Gruppen ein Dorn im Auge, vor allem wenn sie ihre Fahrzeuge auf städtischen Straßen spazieren fuhren oder sich spontane und lebensgefährliche Rennen von einer Ampel zur nächsten lieferten. Zudem unterstrichen Hotrodder und Custom Car Driver ihren Hang zur Unangepasstheit mit dem passenden Outfit. Die in den 50er Jahren verpönten Jeans gehörten genauso dazu wie die lässig im Mundwinkel hängende Zigarette und ein finsterer Blick. Hinzu kam ab Mitte des Jahrzehnts eine ausgeprägte Vorliebe für Rock’n’Roll, die Musik, die Eltern quer durch Amerika zur Weißglut brachte.

Hollywood ließ sich die rebellische Ausstrahlung von Hot Rods und Custom Cars nicht entgehen. Filme wie Rebel without a Cause oder Thunder Road, in dem ursprünglich Elvis Presley statt Robert Mitchum die Hauptrolle spielen sollte, verankerten die Zusammengehörigkeit von Hot Rods und Jugendrebellion im öffentlichen Bewusstsein und verstärkten die magische Anziehung der eigenwilligen Fahrzeuge auf junge Menschen.

Der Höhepunkt der Begeisterung für Hot Rods

Ende der 50er Jahre hatte sich Hotrodding in verschiedene Formen aufgespalten. Neben den traditionellen Rennen in ausgetrockneten Salzseen wurden immer mehr Drag Races auf eigens dafür angelegten Rennstrecken abgehalten. Vor allem in den Städten bildeten sich Street Roadster Clubs, die regelmäßige Veranstaltungen für ihresgleichen und die breite Öffentlichkeit ausrichteten. Mitarbeiter in Custom Car Shops und Speed Shops waren rund um die Uhr mit ausgefallenen Bastelarbeiten beschäftigt und fanden – mit etwas Glück – die Resultate ihrer Bemühungen in einer der vielen neuen Szene-Zeitschriften abgebildet.

Alte Flughäfen waren schon in den 50er Jahren beliebt für Hot-Rod-Rennen

Alte Flughäfen waren schon in den 50er Jahren ein beliebter Ort für Hot-Rod-Rennen

Dabei wurde aus dem einstmals unreglementierten Outsider-Hobby immer mehr ein Sport mit festen Regeln – zumindest dann, wenn er sich auf einer festen Rennstrecke abspielte. Dafür sorgte an vorderster Front die National Hot Rod Association (NHRA). Unter anderem führte sie neue Sicherheitsmaßnahmen ein, welcher die Chancen für Fahrer erhöhten, ein Hot-Rod-Rennen im Besitz geistiger und körperlicher Gesundheit, inklusive aller Körperteile zu beenden.

Zum Umbruch in die 60er Jahre war Hotrodding beliebter als jemals zuvor. Doch bekanntermaßen folgt auf jeden Aufstieg ein Fall.

Muscle Cars – Konkurrenz aus Detroit

Lange Zeit waren Hot Rods und Custom Cars den Autos, die die Fließbänder in Detroit verließen, in jeder Hinsicht voraus: In Optik, Leistung und Coolness. Das begann sich für viele junge Autoliebhaber mit der Einführung der Muscle Cars und der kleineren Pony Cars zu ändern. Nicht nur waren jetzt serienmäßig hergestellte Fahrzeuge mit Motoren ausgestattet, mit denen kein umgebauter Ford Model T mehr mithalten konnte. Auch ihr Äußeres weckte plötzlich nicht mehr automatisch Assoziationen an Nierentische und Kaffeefahrten ins Grüne mit Mama und Papa.

Muscle Cars wurden schnell zu einer ernsten Konkurrenz für Hot Rods und Custom Cars

Muscle Cars wurden schnell zu einer ernsten Konkurrenz für Hot Rods und Custom Cars

Mit ihrer stromlinienförmigen und futuristischen Optik ließen Neuheiten wie ein Ford Mustang Hot Rods und Custom Cars jetzt im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Das setzte sich in Ausstattungsmerkmalen wie Scheibenbremsen und verstellbarem Rennrad fort. Gleichzeitig besaßen Muscle Cars eine rebellische Ausstrahlung, wie sie bisher vorwiegend Eigenkonstruktionen vorbehalten gewesen waren. Sogar bei Drag Races fanden jetzt futuristische Formen Einzug. Die ihrem Namen alle Ehre machenden Funny Cars waren das beste Beispiel dafür.

Ein entscheidendes Kriterium für den Siegeszug der Muscle Cars war ihr Preis. Denn während es für Hotrodder immer schwieriger und kostspieliger wurde, bei Rennen mit der Konkurrenz Schritt zu halten, waren viele der schicken neuen Schlitten aus Detroit auch für junge Menschen erschwinglich.

Von fahrenden Toiletten zum Hot-Rod-Revival

Das Ende der 60er Jahre wird gemeinhin als Tiefpunkt der Hot-Rod- und Custom-Car-Geschichte angesehen. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch in dieser Zeit einige bemerkenswerte Entwicklungen innerhalb der Szene gab. Über ihren ästhetischen Wert lässt sich allerdings streiten. So ging der Trend im Custom-Car-Segment eine Zeitlang hin zu immer ausgefalleneren Kreationen, eine motorisierte Toilette und ein Coca-Cola-Automat auf vier Rädern eingeschlossen. Vom ursprünglichen nostalgischen Charme von Custom Cars waren solche Show Cars weit entfernt.

Glücklicherweise dauerte es nicht lange, bis das bis heute andauernde Hot-Rod-Revival Fahrt aufnahm. American Graffiti trug dazu genauso bei wie Grease oder Mad Max. Andere Katalysatoren waren die Gründung der National Street Rod Association (NSRA) Anfang der 70er Jahre und die erste Veranstaltung der mehrtägigen Street Rod Nationals. Magazine wie Street Rods erschienen auf der Bildfläche und Bands wie ZZ Top oder die Stray Cats schmückten Plattencover mit Hot Rods. Dabei verschmolz die Custom-Car- und Hot-Rod-Szene im Laufe der Zeit immer mehr. Schließlich ging es nun in beiden Bereichen zunehmend um die Optik und immer weniger um die Leistung unter der Haube.

Die Optik ist heute auch bei Hot Rods ein entscheidendes Kriterium

Die Optik ist heute auch bei Hot Rods ein entscheidendes Kriterium

Heute ist Hotrodding vielseitiger als jemals zuvor, beginnend bei den Fahrzeugen selbst. Diese reichen von den im klassischen Stil gehaltenen Rat Rods bis hin zu Anlehnungen an die verspielten 60er Jahre und die Fiberglas-Kreationen eines Ed “Big Daddy Roth”. Eines hat sich allerdings gehalten: Noch immer fühlen sich in erster Linie die Zeitgenossen zu Hot Rods oder Custom Cars hingezogen, die ein Leben fernab bürgerlicher Konventionen bevorzugen.

Du möchtest wissen, wie alles begann? Dann legen wir Dir den ersten Teil unserer Hot-Rod-Geschichte ans Herz.

 

 

 

 

Fotos:

1934 Ford hot rod by Tap Tapzz / CC0 1.0

James Dean and Porsche Speedster #23F at Palm Springs Races by Chad White / CC BY-SA 3.0

Hot-Rod-Rennen auf dem Flugplatz Finsterwalde/Schacksdorf by  FlickreviewR  / CC BY-SA 2.0

A 1964 Ford Thunderbolt Muscle Car by Writegeist / CC BY-SA 3.0

Hot Rods 2 db by Dickbauch~commonswiki  / CC BY-SA 3.0

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