Jake LaMotta – Die Geschichte vom wilden Stier

Männer, Mafia und eine Menge Moneten

Die Geschichte von Jake LaMotta, dem „Bronx Bull“ oder auch „Raging Bull“ ist die Geschichte eines amerikanischen Underdogs, der es einmal bis ganz nach oben geschafft hat. Berüchtigt für sein eisernes Kinn und seine unmenschlichen Nehmerqualitäten boxte er sich in der Mittelgewichtsklasse bis zum Weltmeistertitel hoch und war der Erste, der dem als unbesiegbar geltenden Sugar Ray Robinson die gehärtete Stirn bieten konnte.
Doch um so weit zu kommen, musste er sich mit der Mafia einlassen.

Jake LaMotta – und die 20er Jahre

Die Roaring Twenties waren gerade angebrochen, als Giacobe LaMotta im Juli 1922 in New York City das Licht der Welt erblickte. Als ein Kind der Bronx wuchs er in der Nähe des Morris Park auf, wo er bald das erste Mal in einen Faustkampf verwickelt wurde. Das Geld war nämlich knapp, und so wurde der kleine Jake bereits in jungen Jahren von seinem Vater in den Kampf gegen Nachbarskinder geschickt – zum Vergnügen der Zuschauer, die im Anschluss an die Kämpfe ihr Kleingeld in den improvisierten Ring warfen. Dort wurden bereits die Weichen gestellt für Giacobes späteres Leben, das 1941 beginnen sollte. Damals, im Alter von 19 Jahren, beschloss er, ein Profiboxer zu werden.

Sechs Jahre lang kämpfte LaMotta von schäbigen Boxclubs bis zum Madison Square Garden und schlug sich buchstäblich so durch. Dann kam der Tag, der alles veränderte.
Jack LaMotta - Autogrammkarte in Everlast-Hose (c) wikimedia.org

Der Mob trat an LaMotta heran. So lange es Sportwetten gab, hatte das organisierte Verbrechen dort sein Finger drin  und der aufstrebende Boxer musste sich entscheiden, ob er käuflich ist oder nicht. Er sollte im Kampf gegen den aufstrebenden Billy Fox im Madison Square Garden am 14. November 1947 in der vierten Runde zu Boden gehen. Doch manchmal ist so etwas einfacher gesagt als getan. In seiner Biographie schrieb er später über den unglücklich verlaufenen Kampf: „In der ersten Runde schlage ich ihn ein paar mal vor den Kopf und ich sehe, wie seine Augen einen glasigen Blick kriegen. Jesus Christus, ein paar Jabs und er fällt schon um? Ich bekam ein bisschen Panik. Von mir wurde erwartet, dass ich den Kampf gegen diesen Kerl schmeiße und so wie jetzt es aussah, musste ich ihn überhaupt erst einmal so lange auf den Füßen halten. Wenn es in der vierten Runde noch irgendjemanden im Garden gab, der nicht wusste, was hier gerade passierte, muss er stockbetrunken gewesen sein.“

Zutiefst misstrauisch geworden behielt die New York State Athletic Commission zwar das Preisgeld für den Kampf ein und schloss LaMotta vorübergehend von weiteren Wettkämpfen aus, doch die neuen Freunde des „Bronx Bull“ hielten ihr Wort und sorgten dafür, dass er seine Chance auf einen Titelkampf gegen den amtierenden Weltmeister, den Franzosen Marcel Cerdan, erhalten sollte.

Der Titelkampf – Jake LaMotta und Marcel Cerdan

1949 sollte es soweit sein: in Detroit Motor City standen sich Jake LaMotta und Marcel Cerdan beim Titelkampf gegenüber. Doch für Cerdan stand der Kampf bereits von Anfang an unter einem schlechten Stern. Bereits in der ersten Runde kugelte sich der 32-jährige Mittelgewichtler die Schulter aus und konnte von dem Moment an nur noch mit einem Arm kämpfen. Niemand kann genau sagen, wie er es unter diesen Umständen bis zur zehnten Runde überlebt hat, aber so lange dauerte es, bis er das Handtuch warf und dem drei Jahre jüngeren New Yorker den Gürtel überreichte. Natürlich wurde umgehend ein Rückkampf ausgemacht, doch zu dem sollte es nie kommen; als Cerdan sich auf dem Weg zu seiner erneuten Begegnung mit dem „Raging Bull“ befand, stürzte seine Maschine über den Azoren ab. Bei dem Aufprall wurden alle Insassen getötet.

Weitere zwei Male musste LaMotta seinen neu gewonnenen Titel verteidigen. Zunächst gegen den Italiener Tiberio Mitri, später gegen den Franzosen Laurent Dauthuille. Obwohl Dauthuille den „Raging Bull“ vor dessen Weltmeisterschaftssieg bereits einmal nach Punkten geschlagen hat, hatte er in der Weltmeisterschaft im September 1950, die wieder in Detroit ausgetragen wurde, weitaus weniger Glück. Der Kampf sollte über 15 Runden gehen, und wie schon beim ersten Match lag der Franzose in den Augen aller drei Punktrichter klar vorne. In der letzten Runde jedoch landet LaMotta einen harten Treffer, Dauthuille taumelt und geht zu Boden. Dreizehn Sekunden vor dem letzten, alles entscheidenden Gong erklärt der Schiedsrichter Jake LaMotta zum Sieger durch KO.

Jack LaMotta - ein Ausnahme-Boxer

Jack LaMotta – ein Ausnahme-Boxer (c) wikimedia.org

Das St. Valentine’s Day Massacre

Doch die größte Herausforderung sollte LaMotta noch bevorstehen: das St. Valentine’s Day Massacre, wie der große Kampf zwischen dem „Raging Bull“ und seinem Erzfeind Sugar Ray Robinson umgangssprachlich genannt wurde. Es war mittlerweile ihre sechste Begegnung im Ring. In ihrem ersten Kampf im Oktober 1942 in New York unterlag LaMotta nach Punkten – niemand hatte Sugar Ray bis dahin geschlagen und auch der Mann mit dem eisernen Kinn konnte seiner Strähne kein Ende setzen.

Jack LaMotta

Jack LaMotta

Ein halbes Jahr später jedoch kam es in Detroit zum Rückkampf, und LaMotta wurde buchstäblich zum wilden Stier. Erbarmungslos drosch er auf Sugar Ray ein, der in der achten Runde in den Seilen hing, aber vom Gong gerettet wurde. Dennoch hatte er keine Chance – LaMotta sollte in dieser Nacht der erste werden, der ihn auf die Bretter schickte. Doch bereits am Ende desselben Monats bekam Sugar Ray seine Revanche, und bis 1951 sollte er LaMotta noch drei Mal vernichtend schlagen. Auch in ihrem sechsten und letzten Kampf am 14. Februar 1951 konnte LaMotta nicht mehr an seinen einmaligen Erfolg anknüpfen – im Weltmeisterschaftskampf im Chicago Stadium unterlag er und verlor seinen Titel.

Drei weitere Jahre hielt es Jake LaMotta noch im Ring. Drei Jahre, in denen er unter anderem den ersten und einzigen Knock Out seiner Karriere kassierte. Danny Narico verpasste ihm in der Sylvesternacht 1952/53 im Coral Gables, Florida, in der siebten Runde einen schweren rechten Haken und schickte den „Bronx Bull“ in die Seile, woraufhin sein Trainer nach dem Gong das Handtuch warf. Nach dem Kampf hing LaMotta die Handschuhe an den Nagel, wagte aber etwas mehr als ein Jahr später noch mal einen erfolglosen Comebackversuch. Zwei Kämpfe – gegen Johnny Pretzie und Al Kid McCoy – gingen gut für ihn aus, aber Billy Kilgore war es dann, der LaMottas Karriere mit einem Sieg nach Punkten am 14. April 1954 im Auditorium in Miami endgültig beendete.

Doch nach 106 Kämpfen, davon 83 gewonnenen, hatte Jake längst andere Pläne. Er war immer ein großer Freund des Nachtlebens und der Unterhaltung, so dass es nicht verwunderlich war, dass er ein paar Bars kaufte und sich als Nachtclubbesitzer versuchte. Er entdeckte seine komische Ader und versuchte es als Stand Up-Comedian, und auch Hollywood sollte nicht vor ihm sicher bleiben. Nach seinem Debüt in „Rebellion in Cuba“ aus dem Jahre 1961 konnte er noch im selben Jahr eine Rolle als Bartender in dem Billard-Drama „Haie der Großstadt“ mit Paul Newman als Queue-Legende „Fast Eddie“ Felson, Jackie Gleason und Piper Laurie ergattern. Weitere Rollen blieben jedoch eher die Ausnahme – 14 Spielfilme eine wiederkehrende Rolle in der Fernsehserie „Car 54, Where Are You?“ waren das Höchste der Gefühle, wobei sein Auftritt in dem kultigen Horrorfilm „Maniac Cop“, der 1988 von LaMottas Neffe William Lustig inszeniert wurde, der letzte Höhepunkt war.

In diesem Sommer wurde Jake LaMotta 92 Jahre alt. Er ist eine lebende Boxlegende, Mitglied der International Boxing Hall Of Fame und wurde zu einem der zehn größten Mittelgewichtsboxer aller Zeiten gewählt. Er hat mehrere Bücher geschrieben, in denen er sich mit dem Boxen, seinem Leben, seiner Frau und seinen Kämpfen gegen Sugar Ray Robinson befasst. Er hat seinen Sohn Joey überlebt, der 1998 bei einem Flugzeugunglück in Kanada ums Leben kam, und ist stolzer Onkel von John LaMotta, der zwar als Amateurboxer nicht ganz so erfolgreich war, dafür aber als Schauspieler bessere Karten hatte und als Trevor Ochmonek aus der Serie „ALF“ weltberühmt wurde.

Text: Peter Vignold

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