Rockabilly-Filmklassiker: Great Balls of Fire

Jerry Lee Lewis gehört zweifellos zu den schillerndsten Stars der Rock’n’Roll-Geschichte. Nicht nur mit seinem hämmernden Boogie-Piano und Klassikern wie “Great Balls Of Fire” oder “Whole Lotta Shakin’ Going On”, auch abseits der Bühne sorgte der “Killer” für Schlagzeilen. Ob die Heirat mit seiner 13jährigen Cousine, der versehentliche Schuss auf seinen Bassisten oder die Nacht, in der der Sänger mit einer geladenen Pistole und einer Flasche Champagner im Gepäck seinen Lincoln in die Tore von Graceland steuerte, Lewis wurde seinem Ruf als “wilder Mann” jederzeit gerecht. Da ist es wenig verwunderlich, dass sich Hollywood dazu entschloss, die Geschichte des Stars auf die Leinwand zu bringen. Das Resultat gefiel allerdings nicht jedem.

Aufstieg und Fall  – die Handlung von Great Balls of Fire

Der 1989 erschienene “Great Balls of Fire” beschränkt sich in erster Linie auf die Jahre zwischen 1956 und 1959, die Zeit, in der Jerry Lee Lewis mit seinen ersten Aufnahmen für das Sun Studio auf sich aufmerksam machte und von vielen als Nachfolger von Elvis Presley gehandelt wurde. Dass Lewis später eine bemerkenswerte “zweite Karriere” als erfolgreicher Country-Star hinlegte, spielt in dem Film von Regisseur Jim McBride keine Rolle – eine verständliche Entscheidung, schließlich ist es schon schwer genug, drei Jahre auf die Leinwand zu bringen, vor allem wenn es sich dabei um drei Jahre im Leben des “Killers” handelte.

Neben der musikalischen Karriere von Lewis spielt vor allem dessen Beziehung zu seiner jungen Cousine Myra eine zentrale Rolle in “Great Balls Of Fire”. Schließlich war sie es auch, die den Star zunächst zu Fall brachte. Als britische Reporter während der Englandtournee des Killers 1958 dessen skandalöse Heirat mit einer Minderjährigen enthüllten, musste dieser zurück in die Staaten kehren – nur um herauszufinden, dass ihn auch dort Radio, Fernsehen und Konzertveranstalter boykottierten. Der Film endet mit einem alkoholkranken. deprimierten und zunehmend gewalttätigen Jerry Lee Lewis, der die Bekehrungsversuche seines Cousins und Predigers ,mit den Worten abwehrt: “So if I’m going to hell, I’m going there playing the piano.”

Fakten zum Film

Regisseur Jim McBride und Hauptdarsteller Dennis Quaid hatten schon vor “Great Balls of Fire” zusammengearbeitet. Das Resultat ihrer ersten Kooperation, das Krimidrama “The Big Easy”, hatte Zuschauer und Kritiker gleichermaßen überzeugt. Vor allem Quaids intensive Vorbereitung auf seine Rolle als Polizeibeamter mit Cajun-Akzent wurde begeistert aufgenommen. Auch für “Great Balls of Fire” scheute der damals 34jährige keine Mühe und ließ sich sogar das Klavierspielen im Jerry-Lee-Lewis-Style beibringen. Dennis Quaid war allerdings zunächst nicht der einzige Schauspieler, der in Hollywood als Jerry Lee Lewis im Gespräch war. Auch eine Zusammenarbeit von Martin Scorcese und Robert De Niro wurde zwischenzeitlich erwogen. Als 13jährige Cousine Myra steht Quaid im Film Winona Ryder zur Seite, die zu diesem Zeitpunkt im wirklichen Leben 18 war. Lewis Cousin und Prediger Jimmy Swaggart spielt Alec Baldwin.

Grundlage für “Great Balls of Fire” stellte eigentlich die gemeinsame Biografie des Rock’n’Roll-Stars von Murray Silver und Myra Gail Lewis dar. Diese beiden sollten ursprünglich auch am Skript mitarbeiten. Allerdings entschloss sich Regisseur Jim McBride schließlich dazu, eine gewisse Distanz zwischen der Filmcrew und den Menschen, von denen Great Balls of Fire handelt, herzustellen. Zuvor war schon ein Skript von Terrence Malick (Badlands, The Tree of Life) abgewiesen worden, das den Entscheidungsträgern in Hollywood zu düster erschienen war.

Warum keiner “Great Balls of Fire” leiden konnte

Jerry Lee Lewis’ Reaktion auf “Great Balls of Fire” war unmissverständlich. Der Killer gab an, er hasse den Film genauso wie das Buch seiner Exfrau, zollte allerdings Dennis Quaids Schauspielkunst Respekt. Wenig begeistert von McBrides Regiearbeit zeigte sich auch Murray Silver. Seinem Vorwurf, der Film halte sich zu wenig an historische Fakten, begegnete McBride mit dem Eingeständnis, er hätte nie eine historische Dokumentation machen wollen und benutze die Biografie von Silver und Lewis nur als “jumping-off point”.

Bei der Kritik fand “Great Balls of Fire” ebenfalls wenig Gnade. Tatsächlich lässt sich der Vorwurf, Mc Brides Version von Jerry Lee Lewis Rock’n’Roll-Jahren sei ziemlich glatt geworden, schlecht von der Hand weisen. Auch gelingt es dem 34jährigen Quaid trotz allem Einsatzes nicht wirklich, wie Anfang 20 auszusehen, während Winona Ryder spielerisch als 11 oder 12 durchgehen könnte. Dies verleiht der ohnehin schwierigen Beziehung zwischen Jerry Lee Lewis und seiner Kusine zusätzlich einen seltsamen Anstrich.

Warum “Great Balls of Fire” trotzdem Spaß machen kann

Letztendlich ist es der Rock’n’Roll, der am meisten Spaß macht in “Great Balls of Fire”. Jerry Lee Lewis nahm extra für den Film einige seiner größten Hits aus den 50ern noch einmal auf, darunter “Great Balls of Fire” und “Whole Lotta Shakin’ Going On”, und auch sonst kann sich der Soundtrack von “Great Balls of Fire” hören lassen. Dazu mag man zwar geteilter Meinung über Dennis Quaids Verkörperung von Jerry Lee Lewis als kaugummikauendem Zappelphilipp sein, wenn der Schauspieler jedoch die legendäre Bühnenperformance des Killers imitiert, läuft er zweifellos zur Höchstform auf.

Wer sich an einem gemütlichen Sonntagabend zurück in die Hochzeit des Rockabilly beamen lassen möchte, für den ist “Great Balls of Fire” also durchaus einen Versuch wert. Wer sich mehr für Jerry Lee Lewis eigene Sichtweise interessiert, der sollte zu dessen jüngst erschienener Biografie “His Own Story” greifen.

 

 

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