50er Jahre Alltag I – von zwei und vier Rädern

Bahnhofstraße Salzbergen 1960 © quapan

Autos spielen auch in der Bundesrepublik eine zentrale Rolle in den 50er Jahren. Einen Pink Cadillac sucht man allerdings genauso vergeblich auf deutschen Straßen wie Rock’n’Roll im deutschen Rundfunk. Stattdessen dominiert im 50er Jahre Alltag Zweckmäßigkeit gepaart mit so mancher Kuriosität.

Fortbewegung im 50er Jahre Alltag – vom Käfer zum Taunus

Das beliebteste Zeichen für Wohlstand ist in den 50er Jahren das eigene Auto. Lange gilt allerdings: Die Zahl derjenigen, die allenfalls ein klappriges Fahrrad für den Ausflug an den Baggersee besitzen, bleibt hoch. Doch immerhin rollen schon 1957 eine Million Autos vom Band in bundesdeutschen Fertigungshallen. In dieses Jahr fällt übrigens eine spektakuläre Gesetzesänderung: Ab jetzt dürfen Frauen den Führerschein erwerben, ohne ihren Gatten um Erlaubnis bitten zu müssen.

Und was fährt der Bundesbürger beziehungsweise die Bundesbürgerin so? Natürlich Käfer, zunächst noch ohne Außenspiegel und mit “Winker” statt Blinker, aber mit einem Preis von etwa 4000 DM vergleichsweise erschwinglich. Außerdem gibt es optional ein Faltdach für sommerliche Picknickausflüge mit der hübschen Kollegin – oder dem Kollegen. In den 50er Jahren wird der “Volkswagen” zu einem Symbol für die steigende Wirtschaftskraft der Deutschen. Ein Exportschlager ist er ebenfalls, spießig hin oder her.

Der Käfer bestimmte das Straßenbild in den 50er Jahren / wikimedia.com

Der Käfer bestimmte das Straßenbild in den 50er Jahren / wikimedia.com

Noch billiger ist ein Lloyd. Der macht allerdings in frühen Ausführungen mit seiner Sperrholz-Karosserie wenig Hoffnung auf das Überleben bei Unfällen. Nicht umsonst heißt es: “Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd”.Der Spitzname “Leukoplast-Bomber” kommt übrigens daher, weil sich Schäden am Überzug der Karosserie zumindest kurzzeitig “zupflastern” lassen. Bei einer Leistung von 10 PS und zwei Zylindern hält das auch eine Weile.

Seine geringe Widerstandskraft sah man dem Lloyd an / wikimedia.com

Seine geringe Widerstandskraft sah man dem Lloyd an / wikimedia.com

Speziell Frauen spricht die Isetta bzw. “Knutschkugel” mit Einzylinder Motorradmotor von BMW an. Das kuriose Fahrzeug, das eine aufklappbare Fronttür besitzt, ist eigentlich eine Erfindung des italienischen Unternehmens Iso Rivolta. Für das schwer angeschlagene Unternehmen BMW stellt der Lizenzvertrag letzten Endes die Rettung aus der Krise dar. Denn die Isetta erweist sich als Verkaufsschlager und beschafft BMW die notwendige Zeit, um sich neu aufzustellen.

Die Isetta richtete sich speziell an die Damenwelt / wikimedia.com

Die Isetta richtete sich speziell an die Damenwelt / wikimedia.com

Schicke Autos für Besserverdienende gibt es natürlich auch, zum Beispiel den Opel Kapitän oder den Ford Taunus 15 M, vom dem es in der Werbung heißt, er beschleunige “pfeilschnell aus allen Gängen”. Für Zeitgenossen sind die 13 Sekunden von Null auf Tempo 80 tatsächlich beeindruckend. Mit den amerikanischen Straßenkreuzern können die deutschen Ford-Modelle schon optisch kaum mithalten. Wohl deshalb darf Ford Deutschland die Bezeichnung “Ford” bis 1967 nicht für eine Typenbezeichnung nutzen. Man schämt sich halt ein wenig in den Staaten.

Auch junge Menschen setzen bei der Fortbewegung in den 50er Jahren auf Motorkraft. Hier müssen allerdings zwei Räder ausreichen. Für Halbstarke gehört das Moped zunehmend zur Grundausstattung im 50er Jahre Alltag. Das kommt zwar zunächst nur auf maximal 40 km/h, lässt sich aber frisieren und kostet bis 1961 keine Steuern. Ein Führerschein ist ebenfalls nicht notwendig. Zweisitzer ermöglichen sogar die Mitnahme weiblicher Schönheiten. Bald werden Mopeds damit für viele Erwachsene zum Ausweis jugendlicher Rock’n’Roll-Rebellen.

Zunächst war nur Platz für einen / wikimedia.com

Zunächst war nur Platz für einen / wikimedia.com

Mit Glamour sieht es also zunächst schlecht aus auf deutschen Straßen. Von einem Cadillac Eldorado, Baujahr 1955, ist man weit entfernt.

wikimedia.com

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Bundesdeutsche Autos der 50er Jahre – schlicht aber nützlich

Die deutsche Automobilindustrie brummt in den 50er Jahren. Damit trägt sie erheblich zum neu erwachenden Selbstbewusstsein der westdeutschen Wirtschaft bei. Als Schönheiten kann man ihre Erzeugnisse allerdings nicht bezeichnen. Von der Aura, die ein amerikanischer Straßenkreuzer ausstrahlt, sind sie weit entfernt. Der Nutzen steht im Vordergrund und da schlagen sich Käfer und Co. nicht schlecht. Dass die Deutschen mit dem in den USA beliebten Autokino zunächst wenig anfangen können, ist nicht weiter verwunderlich. Wer will schon den Abend in einem Lloyd verbringen?

 

Titelbild “Bahnhofstraße Salzbergen” von quapan unter cc

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