Burlesque – mehr als Strümpfe, Federn und Korsagen!

Spätestens seit Dita von Teese die Bühnen dieser Welt eroberte und der gleichnamige Film mit Cheer und Christina Aguiliera 2010 in die Kinos kam, ist Burlesque für viele ein Begriff geworden. Aber was genau ist Burlesque eigentlich und wo liegen die Ursprünge des im Deutschland der 50er Jahre so genannten „Schönheitstanzes“?

Burlesque – Nomen est Omen

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Bulesque Anzeige im Bosten Globe 1923

Etymologisch betrachtet stammt der Begriff Burlesque vom italienischen „burla“ ab, welches so viel wie Spaß oder Scherz bedeutet. Die Burleske war eine Theaterform, die im 16. Jahrhundert ihren Ursprung hatte und als Theater des kleinen Mannes bezeichnet wurde, weil sie von derben, oft skurrilen Inhalten und überzeichneten Charakteren gekennzeichnet war.

Durch Wanderbühnen in Europa verbreitet, hinterließen die volksnahen Darbietungen einen bleibenden Eindruck. Denn in den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich aus der Burleske verschiedene eigenständige Formen: Schwank, Posse oder auch Operette gelten als nahe Verwandte des Volkstheaters.

Vom Volkstheater zur Kunst des Entblätterns

Der Schritt vom Theaterstück mit seinen derben Parodien hin zur Show mit erotischer Komponente vollzog sich jedoch ab dem 19. Jahrhundert. Der Burlesque-Tanz mit seinem humoristischen Element entwickelte sich noch vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem eigenständigen Genre. Um den Unterhaltungswert der varietéähnlichen Darbietungen zu steigen, wurden Elemente aus dem Rahmenprogramm der Wanderzirkusse kopiert. In den sogenannten Sideshows deuteten attraktive Damen einen Striptease an und wurden dabei häufig von Unterhaltungskomikern begleitet. Nicht selten bedeutete so ein Auftritt für den Komiker die Feuertaufe: Wer das Publikum zum Zuhören und Lachen bringen konnte, obwohl sich nebenbei eine Schönheit kunstvoll entblätterte, der hatte offensichtlich Talent und wurde wieder engagiert.

Barbara Stanwyck Lady of Burlesque

Barbara Stanwyck Lady of Burlesque

Cineastisch nachvollziehbar wird die Herkunft des Burlesque-Tanzes im 1933 erschienenen Film „I´m no Angel“ mit Mae West in der Hauptrolle. Die selbstbewusste Aktrice mit den platinblonden Haaren spielt hier neben Gary Grant solch eine Tänzerin beim Zirkus. Eine berühmte Burlesque-Ikone dieser Zeit war Rose Louise Hovick, die als Gypsy Rose Lee in den New Yorker Burlesque Shows der Minsky Brüder auftrat und ihre erotischen Aufritte mit kultiviertem Smalltalk verband.

Im Laufe der 40er und 50er Jahre entwickelte sich die Burlesque weiter und vermischte sich zunehmend mit dem populärer werdenden Pin-Up. Als Stars der Szene wurden Bettie Page und Willis Marie Van Schaack vergöttert. Van Schaack, die unter ihrem Künstlernamen Lili St. Cyr auftrat, versetzte das damalige Publikum in Entzücken, indem sie ein Bad auf der Bühne nahm oder einen umgekehrten Striptease vorführte.

Mit der in den 60er Jahren aufkommenden sexuellen Revolution geriet der Burlesque-Tanz immer mehr in Vergessenheit und wurde erst Anfang der 90er Jahre durch den sogenannten New Burlesque wiederbelebt.

New Burlesque: Gradwanderung zwischen Erotik, Unterhaltung und Anspruch

Der Unterschied zum herkömmlichen Striptease besteht bei der New Burlesque genau wie bei ihrer Vorgängerin im Grad des Ausziehens. Während beim Striptease am Ende die Hüllen fallen, bleiben beim Burlesque-Tanz die wichtigsten Stellen bedeckt. : Die Brustwarzen werden mit Nipplepads, den sogenannten „Pasties“ bedeckt und die Höschen sind mitunter äußerst knapp, werden aber nicht ausgezogen.

Neo Burlesque - Evita Mansfield

Neo Burlesque – Evita Mansfield entre cava en el Taboo (c) wikimedia.org

Zwar betonen aufwändige Kostüme mit Federboas, Netzstrümpfen, Fächern und Korsagen die Weiblichkeit. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch nicht beim Ausziehen sondern ist eher in der humorvollen Inszenierung zu sehen. Oft schlüpfen die Tänzerinnen in Rollen und verknüpfen ihre lasziven Bewegungen und anzüglichen Songtexte mit akrobatischen Nummern, Elementen des modernen Tanzes oder Accessoires aus der Fetisch-Szene. Es gilt: Erlaubt ist was gefällt.

Die New Burlesque will die Weiblichkeit feiern, niveauvoll unterhalten und gleichzeitig die erotische Fantasie anregen. Vielleicht liegt gerade in dieser Vielseitigkeit ihre gegenwärtige Popularität begründet.

Die „Burlesque Hall of Fame“, ein Museum voller Erinnerungsstücke rund um die Burlesque-Kunst wurde von der ehemaligen Tänzerin Jennie Lee in Las Vegas gegründet. Jedes Jahr am ersten Samstag im Juni führt die Burlesque Hall of Fame den jährlichen Miss Exotic World-Wettbewerb durch, bei dem die besten Tänzerinnen prämiert werden.

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