Elvis Presley und Richard Nixon – die wahre Geschichte

Elvis Presley und Richard Nixon

Das Treffen zwischen Rockstar Elvis Presley und Präsident Richard Nixon ist einer der skurrilsten Momente in der Musikgeschichte. Was dabei wirklich passierte, ist aber noch sonderbarer, als es Fotos von dem legendären Moment vermuten lassen.

Der Brief des King of Rock’n’Roll

Es ist das von Besuchern am häufigsten verlangte Dokument im National-Archiv der USA – noch beliebter als die Unabhängigkeitserklärung oder Fotos von der Mondlandung, von der immer noch manche Amerikaner meinen, sie habe nie stattgefunden. Dabei sieht die Krakelschrift auf einem Briefbogen der United Airlines auf den ersten Moment ziemlich unspektakulär aus.

Der Inhalt aber hat es in sich. Denn hier bittet der (einstige) King of Rock’n’Roll den amerikanischen Präsidenten darum, zum Wohle seines Landes als Drogensheriff eingesetzt zu werden. Schließlich hätte er beste Beziehungen in der Unterhaltungsindustrie. Außerdem werde er auch von den von Nixon zutiefst verabscheuten Hippies und Angehörigen der Black Panthers nicht als Teil des “Establishments” wahrgenommen.

Elvis begrüßt Nixon

Äußerlich könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein

Zu dem Zeitpunkt, da Elvis diesen Brief schrieb, befand er sich bereits auf dem Weg nach Washington, in der festen Absicht, Präsident Nixon persönlich entgegen zu treten. Für die Wartezeit checkte er im Washington Hotel ein – ganz nach Agentenart unter dem Decknamen Jon Burrows.

Glücklicherweise – für Elvis – landeten seine Zeilen bei Stabsmitarbeiter Egil “Bud” Krogh. Der war wegen seiner Angewohnheit, es mit dem Gesetz nicht so genau zu nehmen, auch als “Evil Krogh” bekannt und sollte wenig später in der Watergate-Affäre eine zweifelhafte Rolle spielen. Nebenbei war er Elvis-Fan und von der Aussicht auf ein Treffen zwischen Elvis Presley und Richard Nixon durchaus angetan – schon allein, weil der Hardliner-Präsident ein bisschen Sympathie bei der jüngeren Bevölkerung durchaus gebrauchen konnte. Davon, dass Elvis zu diesem Zeitpunkt selbst schwer abhängig von Pillen aller Art war, hatte Krogh keinen blassen Schimmer.

Elvis Presley und Richard Nixon – das Treffen

Am Morgen des 21. Septembers 1970 betrat der King of Rock’n’Roll das Weiße Haus, gekleidet in einen violetten Anzug und mit einem goldenen Buckle sowie einer Aviator-Sonnenbrille. Dabei hatte er ein Geschenk für den Präsidenten, eine 45-Millimeter aus dem Zweiten Weltkrieg, die der Secret Service höflich konfiszierte, bevor Elvis zum Präsidenten vorgelassen wurde. Dass Presley so vollgepumpt mit Drogen war, dass er Schwierigkeiten mit seiner Motorik hatte, ist wohl eher ein Mythos.

Nixon untersucht Elvis' Manschettenknöpfe.

Von den Manschettenknöpfen des Rock’n’Roll-Stars war Nixon durchaus angetan.

Tatsächlich gab sich der Rock’n’Roll-Star todernst gegenüber seinem Gastgeber, vor allem in Bezug auf die Lage des Landes. Die war seiner Meinung nach allein wegen der pilzköpfigen Beatles und ihrer unamerikanischen Umtriebe besorgniserregend.

Einig zeigte sich Elvis mit dem mächtigsten Mann der Welt darin, dass auch der Drogenkonsum etwas zutiefst unamerikanisches sei. Deshalb habe er sich nicht nur mit kommunistischer Gehirnwäsche, sondern auch mit der Drogenkultur eingängig befasst. Zumindest der zweite Punkt entsprach wohl der Wahrheit, allerdings anders, als sich Nixon das vorstellte.

Schließlich fragte Elvis Presley Richard Nixon, der sich ziemlich schnell an seinen sonderbaren Gast gewöhnte, ob er ein Abzeichen des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs bekommen könne. Er konnte und war darüber so begeistert, dass er dem Präsidenten spontan um den Hals fiel – was diesem sicher nicht so oft passierte.

Und das Ergebnis des denkwürdigen Treffens? Unter anderem schlugen Nixon und seine Stabsmitarbeiter Elvis Presley vor, ein Anti-Drogen-Album unter dem Motto “Get High On Life” zu veröffentlichen. Glücklicherweise wurde daraus nichts. Auch blieb es bei diesem einzigen Aufeinandertreffen des Präsidenten und des King of Rock’n’Roll. Immerhin bedankte sich Nixon zum Jahresausklang 1970 artig bei dem Sänger für dessen “beeindruckendes Geschenk” und dafür, dass er ihm seine Familienfotos gezeigt hatte.

Warum sich Elvis wirklich mit Nixon traf

Eine klare Antwort auf diese Frage lässt sich wohl nicht geben. Tatsache ist, dass der einstige Rock’n’Roll-König Elvis Presley zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Schatten seiner selbst war, schwer abhängig von Medikamenten und als Popstar “Schnee von gestern”. Kein Wunder, dass der im Grunde seines Herzens konservative Elvis Hippies und die Gegenkultur der 60er-Jahre zutiefst verabscheute – genauso wie der amerikanische Präsident.

Elvis zeigt Nixon Bilder

Auch Bilder zum Ansehen hatte Elvis für Nixon dabei.

Priscilla Presley liefert in ihren Memoiren allerdings einen besonderen Grund für die Audienz ihres ehemaligen Gatten bei Präsident Nixon. Demnach war Elvis fest der Meinung, mit einem Abzeichen des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs könne er unbehelligt in jedem Land der Erde Drogen und Waffen mit sich führen – ein weiterer Beleg dafür, wie sehr sich der Sänger zu diesem Zeitpunkt bereits von der Realität entfernt hatte.

 

Übrigens: Unter der Internetadresse https://nsarchive.gwu.edu/nsa/elvis/elnix.html# sind eine Reihe von Originaldokumenten zu dem Treffen zwischen Elvis und Nixon einsehbar, darunter auch der handschriftliche verfasste Brief des King of Rock’n’Roll.

Alle Fotos: National Archives Catalog

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