Mehr als “Monkey Business” – Interview mit Nina & The Hot Spots

Nina & The Hotspots

Das Freiburger Quintett Nina & The Hot Spots ist in Süddeutschland schon länger eine Swing- und Rockabilly-Institution. Mit “Monkey Business” hat die Band gerade ihren ersten Longplayer und den perfekten Soundtrack für den Sommer vorgelegt. Passend zum Release haben wir Bassist Thias Salhab ein paar Fragen zum Album, zur Band und zum Musizieren in Zeiten von Corona gestellt.

RR: Euch gibt es schon eine ganze Weile. Warum jetzt erst der erste Longplayer?

In unseren ersten Jahren hatten wir immer wieder einzelne Tracks als Singles sowie eine EP rausgebracht. Vielleicht waren wir ungeduldig, denn sobald wir etwas Neues geschrieben hatten, wollten wir’s gleich veröffentlichen. Dadurch hatten wir zwar regen Output, für einen kompletten Longplayer braucht man aber ordentlich eigenes Material. Unsere zweijährige Babypause von 2017 – 2019 konnten wir dann intensiv fürs Songwriting nutzen, ohne in die Verlegenheit zu kommen, gleich wieder alles einzeln raushauen zu wollen.

Schon nach den ersten Gigs im Anschluss an die Pause waren wir bereit fürs Studio. Im Winter 2019 begannen die Aufnahmen – und im März 2020 kam Corona ums Eck. Dadurch wurde erstmal alles ausgebremst. Die Basics der Songs waren zwar allesamt im Kasten, aber der gesamte Jahresplan mit Gigs, Aufnahmen abmischen, Artwork fürs Album etc. wurde über den Haufen geworfen.

Dank großer Unterstützung unserer Fans via Crowdfunding sowie Eigeninitiative haben wir dann alles selbst durchgezogen. Dadurch kam das Album zwar fast ein Jahr später raus als geplant. Aber es ist so noch mehr zu „unserem Baby“ geworden.

RR: 12 Songs von 13 sind Eigenkompositionen. Das ist für eine deutsche Band aus eurem Genre stattlich. Ist euch das wichtig?

Wir haben in der Tat das Glück, dass wir alle gerne Songs schreiben. Ich denke, in erster Linie ist es unser künstlerischer Antrieb, uns durch eigene Kompositionen auszudrücken und uns als eigenständige Band zu definieren.

Coverversionen finde ich grundsätzlich auch interessant, vor allem, wenn sie neu und mit eigenem Pathos interpretiert werden. Gleichzeitig sehe ich die meisten Originalaufnahmen von damals als eine Art Zeitzeugnis: Der Spirit war frisch und rebellisch, mit dem Anspruch, neue Sounds zu entdecken. Wenn wir nun einen solchen Song so authentisch wie möglich versuchen nachzuspielen, kann es meist nur eine Annäherung an etwas sein, was schon war. Das ist nicht unsere Stärke und auch nicht unser eigentliches Ziel.

 

 

RR: Wie ist das Album entstanden und wie komponiert beziehungsweise arrangiert Ihr eure Songs?

Das sind ja gleich zwei Fragen auf einmal! (lacht)

Nachdem die Songs für die geplante Platte hauptsächlich eigene waren, wollten wir auch den Aufnahmeprozess selbst gestalten. Deshalb nahmen wir uns viel Zeit für die Vorbereitungen, vor allem beim räumlichen Aspekt, denn wir wollten das für diese Musik wichtige Livefeeling bestmöglich einfangen. Unser Proberaum mit Kellergewölbe wurde komplett umgestaltet. Wir bauten akustische Trennwände ein und konzipierten die Mikrofonierung so, dass wir sowohl gemeinsam in einem Raum einspielen und uns dabei sehen konnten, als auch möglichst wenig störende Übersprechungen der Instrumente auf den einzelnen Signalspuren vorhanden waren.

Auch das Abmischen haben wir selbst gemacht. Das brauchte seine Zeit, aber es gab uns die Möglichkeit, den Sound nach unseren Vorstellungen zu formen. Das Mastering haben wir dann in professionelle Hände gegeben und uns auf die Skills der legendären Abbey Road Studios in London verlassen.

Zu deiner Frage wegen Komponieren und Arrangieren: Ich glaube, jeder von uns geht da unterschiedlich ran. Mal ist die Basis für einen Song eine Melodie, mal ein Riff, ein Groove oder auch eine Textidee. Bei einigen Songs habe ich ein ganzes Big Band Arrangement im Ohr. Das dann auf ein Quintett zu übertragen, ist oft sehr spannend, denn man muss sich mehr Gedanken darüber machen, wie zum Beispiel die ursprüngliche Energie eines kompletten Bläsersatzes auf unsere kompakte Besetzung übertragen und erhalten werden kann.

RR: Euer Sound ist stark jazzig geprägt. Habt Ihr persönlich ein Faible für die 40er und Neo-Swing-Bands bzw. verstecken sich da ein paar Jazzer in euren Reihen?

Ja das stimmt. Wenn man es musikhistorisch betrachtet, waren der Jazz und später der Swing in den 1920 – 30er Jahren die erste wirkliche Revolution und Jugend-Protestkultur des 20. Jahrhunderts. Daraus entstand der Rhythm ‘n’ Blues, der wiederum mit all seinen Spielarten den Rock ‘n’ Roll hervorbrachte.

Insofern ist der Jazz fest im Rock ‘n’ Roll verankert: Bei den alten Aufnahmen von Bill Haley hört man zum Beispiel klar, dass die Sax-/Git-Riffs sich stark an den früheren Big Band Arrangements orientierten. Aber auch das ganze Solo-Thema ist getränkt von Jazz. Nur dass beim Rock ‘n’ Roll eben vieles von der Gitarre übernommen wurde.

Die Verschmelzung beider Epochen durch den Neo-Swing in den Neunzigern hat uns ebenfalls stark geprägt. Da kam für uns zusammen, was längst schon stark miteinander verwandt war.

RR: Ganz einfach ist diese Zeit nicht für ein Album-Release. Wie herausfordernd war „Corona“ (bisher) für euch? Habt Ihr in der nächsten Zeit Gelegenheit, euer Album ausgiebig live zu präsentieren?

Die Pandemie war für uns insofern herausfordernd, als dass wir unseren ursprünglichen Plan einstampfen und neue Wege suchen mussten. Dabei mitten im Produktionsprozess bei der Stange zu bleiben, hat Kraft und Zeit gekostet. Umso dankbarer waren wir, dass unsere Fans uns so sehr unterstützt haben.

Da der Release zum 02. Juli unsere ganze Energie gefordert hat, blieb kaum Kapazität fürs Booking. Gefühlt geht der Sommer ja jetzt auch erst los – und wie sich der Herbst/Winter pandemisch entwickeln wird, ist noch nicht ganz absehbar. Wir bleiben optimistisch, die neuen Songs endlich auf die Bühne bringen zu können.

Ich glaube, das Erlebnis von Livemusik ist durch nichts zu ersetzen. Auch wenn ein Streaming- Konzept noch so ausgefeilt ist, die so wichtige Interaktion zwischen Band und Publikum fehlt größtenteils. Aber auch die Interaktion beim Publikum untereinander ist ja elementar, das gemeinsame Erleben fällt weg: mitsingen, tanzen, reden, flirten, Leute treffen und kennenlernen… Es bleibt zu hoffen, dass das alles auch langfristig möglich bleibt.