Johnny Hellstorm – im Interview “Verflixte 13”

Im heutigen Interview haben wir das Glück, dem Fotografen Johnny Hellstorm einmal auf den Zahn fühlen zu dürfen.
Früh infiziert von Elvis, Bill Haley und dem Punk der Siebziger war Johnny von Anfang an ein bisschen hinter der Zeit geblieben. Dadurch wurde er immun gegen Modetrends und Mach-Doch-Mit-Aktionen, fuhr schon immer Autos, die älter sind als er selbst und musste sich seine Klamotten und Gimmicks teilweise mühsam zusammen suchen. Sein Geschäft und Lebensalltag ist neben der Mode- und Produktfotografie die Retro-Photographie mit Musikern, Pin-Ups und Szene-Typen.

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(c) Johnny Hellstorm

Auf die Frage nach seinen aktuellen Projekte und Zukunftsplänen, gab uns Johnny folgende Antwort:

Im letzten Jahr war ich viel unterwegs, um Promobilder und Interviews u.a. für Dynamite, Tätowier Magazin u.a. zu machen (Danke an die Jungs und Mädels in den Redaktionen). Dabei hatte ich die Gelegenheit, viele kleinere Bands kennen zu lernen und mit echten Größen wie Kris Kristofferson, Brian Setzer, Slim Jim Phantom oder auch Extrabreit zu arbeiten. Das hat großen Spaß gemacht, war aber auch sehr zeitaufwendig. Zuletzt hat mich die Produkt- und Fashionfotografie immer mehr beansprucht, was mich sehr freut, weil es quasi mein Tagesgeschäft ist.

Johnny Hellstorm mit Kris Kristofferson

Johnny Hellstorm mit Kris Kristofferson

Trotzdem werde ich auch künftig mit Musikern und Performern arbeiten. Außerdem verfolge ich mein Hollywood-Projekt, bei dem ich im klassischen 40er- bis 50er-Jahre Stil photographiere. Ohne Blitz, dafür mit viel Handarbeit am Set und nahezu ohne Bildbearbeitung. Für 2015 plane ich darauf basierend etwas im B-Movie-Stil aber das ist noch nicht spruchreif. Falls das eine oder andere Retro-Modell (m/w) trotzdem schon Interesse hat, freue ich mich immer über Kontaktaufnahme. (Alle Kontaktdaten findet Ihr am Ende des Interviews!)

Und jetzt geht es los, Johnny Hellstorm und seine Antworten auf unsere “verflixten 13 Fragen” :

(1) Wenn du an deine Jugend zurückdenkst, welcher Song kommt dir dabei sofort in den Sinn?

Jailhouse Rock. Nicht, weil ich ein Knast-Baby war, sondern weil das mein erster bewusst wahrgenommener Elvis-Song war. Von da an ging es nur noch in diese Richtung.

(2) Bunte Bilder auf der Haut. Wie stehst du zu Tattoos und Körperschmuck?

Mag ich persönlich sehr und sollte in meinen Augen bspw. bei klassischen Fashion-Aufnahmen heute kein Problem mehr sein (was es leider hin und wieder aus Kundensicht noch ist). Für authentische Retro-Aufnahmen manchmal trotzdem unpassend, denn „früher“ gab es das eben in der Form wie heute einfach nicht. Ansonsten denke ich, Tattoos sind etwas Persönliches und nicht in erster Linie Schmuckstück zum Rumzeigen. Man braucht keine Tattoos, um cool zu sein und man kann Tats haben und trotzdem ein Langweiler bleiben.

(3) Stell dir vor, du würdest ein eigenes Musik-Festival veranstalten, welche drei Bands/Sänger würden dort auftreten?

Der arme Lemmy müsste richtig ran, erst mit Slim Jim als Headcat und danach mit Motörhead. Dann natürlich nochmal Stray Cats, Iggy Pop und Extrabreit, The Bones und P. Paul Fenech. Als Warm-Up würde ich einer oder zwei unbekannteren Rockabilly-Kapellen eine Chance geben. Juliette Lewis noch und vielleicht einen richtig guten Elvis-Imitator. Waren das jetzt schon drei?

(4) Rock’n’Roll until I die….du hast deinen eigenen Lebensstil gefunden. Wie wichtig sind dir dabei Freunde, Familie und Freizeit?

Freunde und Familie kommen zuerst. Meist passt das zum Rock’n’Roll und wenn mal nicht, ist das auch kein Problem. Ich bin keiner, der sich seinen Dunstkreis nach dem Nettogewicht der Pomade im Haar oder der Anzahl Tattoos aussucht. Ich umgebe mich gerne mit Menschen, die authentisch sind, egal welcher Stil. Alles andere macht keinen Sinn.
Tja und mit der Freizeit ist das so eine Sache. Glücklicherweise kann ich manchmal Arbeit von Freizeit nicht unterscheiden und bin sehr dankbar, dass das so ist.

(5) Wir alle werden unweigerlich älter. Was hat sich in den letzten Jahren, deiner Meinung nach, in der Model / Fotografen Szene verändert?

Wie oft an dieser Stelle genannt, ist wirklich alles offener geworden. Man trifft mehr Leute und bekommt Sachen sehr viel leichter, sei es Pomade, Klamotten, Platten oder Konzerte. Im Gegenzug ist der Rock’n’Roll inzwischen längst im Mainstream angekommen und manche glauben, man könne im Multifunktionsanorak zu einem Rockabilly-Konzert kommen. Nicht so schön!

(6) Du kannst mit einer Zeitmaschine zu einem Ereignis in die Vergangenheit reisen, wohin würde die Reise gehen?

Ich würde Buddy und die Jungs davon abhalten, in den Flieger zu steigen, James Dean, Gene und Eddie die Auto-Schlüssel wegnehmen, Elvis in die Kunst des fettarmen Kochens einweisen und noch ein paar andere Typen vor dem zu frühen Untergang retten. Wenn dann noch Sprit in der Zeitmaschine wäre, würde ich eine Reihe Konzerte besuchen, für die es heute leider zu spät ist.

(7) Was ist eine Veranstaltung, auf die Du unter gar keinen Umständen mitgenommen werden möchtest?

Mit freien Getränken kann fast alles schön werden aber auf einer Nikolausfeier des KKK würde man mich trotzdem genauso wenig antreffen wie auf einer Star Wars- oder Rollenspieler-Convention.

(8) Wenn Du für einen Tag in die Rolle eines anderen Menschen schlüpfen könntest, wer wäre das und warum?

Kann ich gar nicht sagen. Wenn möglich, würde ich gerne für einen Tag mal das Geschlecht oder die Hautfarbe wechseln, um zu sehen, wie das ist. Nochmal für einen Tag ein Kind sein, wäre auch nicht schlecht. Oder ein Bayern-Fan, um zu sehen, wie es sich anfühlt, immer zu gewinnen.

(9) Du sitzt auf einer Parkbank. Plötzlich setzt sich ein Mann neben dich, der behauptet Gott zu sein. Welche zwei Fragen würdest Du ihm stellen…?

Was nimmst Du? Kann ich auch etwas davon haben?

Johnny Hellstorm mit Slim Jim Phantom in London

Johnny Hellstorm mit Slim Jim Phantom in London

(10) Stell Dir einmal vor, Du könntest ein ganze Jahr Urlaub machen bzw. eine Auszeit nehmen. Was würdest Du tun?

Ich würde all die Projekte realisieren, die ich im Kopf habe, die ich mir aber nicht leisten kann, weil sie unter den Begriff „Kunst“ und eben nicht „Kommerz“ fallen. Straßenfotografie in unterschiedlichen Ecken der Welt zum Beispiel. Auf alle Fälle reisen.

(11) Wie wichtig ist Kleidung für dich? Ausdruck deiner inneren Gemütsverfassung, Statement im Alltag oder nebensächlich, notwendige Alltagsmaßnahme?

Schon sehr wichtig. Ich gehe praktisch niemals ohne aus dem Haus 😉
Ernsthaft, ich lege schon großen Wert auf Klamotten, die mir gefallen. Meist ist das bei mir mit Retro-Charm behaftet. Speziell bei Stiefeln bin ich sogar ein bisschen wie ein Mädchen. Ich habe einen Haufen unkaputtbarer Treter, die mich teilweise schon jahrzehntelang begleiten und immer noch von mir getragen werden. Trotzdem gönne ich mir regelmäßig neue.

(12) Was ist überlebenswichtig / überlebensnotwendig für dich? Auf was könntest Du überhaupt nicht verzichten?

Freiheit. Soziales Miteinander braucht Regeln und Rücksichtnahme aber die grundsätzliche Freiheit in Gedanken und Bewegung halte ich für das höchste Gut. Jeder soll tun können, was er möchte, solange er anderen damit nicht auf den Zeiger geht.

(13) Du hast das letzte Wort… Welche Frage wolltest Du schon immer einmal in einem Interview gefragt werden?

“Kann ich Dir ein Bier ausgeben?“

Weblink:
www.facebook.com/johnnyhellstorm
http://johnnyhellstorm.com/

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