Space Echo – Adriano BaTolba lüftet Rockabilly-Sound-Geheimnisse

Wohl jeder von uns weiß, dass der Rockabilly in den Fünfzigern erfunden wurde. Und bis heute bedienen sich Musiker jenes Erbes, um den ultra-coolen Sound in bevorzugt schmaler Besetzung mit Gitarre, Kontrabass, spartanischem Schlagzeug sowie stilgerechtem Gesang auf Bühnen und Tonträger zu bringen. Für den Außenstehenden kaum zu vermuten: Einige Rockabilly-Gitarristen jüngerer Generationen – wie etwa Adriano BaTolba – schwören für ihre von den Fifties inspirierten Klänge auf ein Gerät aus den Siebzigern. Welches im digitalen Zeitalter wie aus dem Kabinett der Kuriositäten wirkt! Die Rede ist vom Roland Space Echo. Einem mit allerhand Reglern und Schaltern bestückten fast 10 Kilo schweren “Wunderkasten“, der in seinem Inneren wahrhaft abenteuerlich anmutende Technik verbirgt.

Das Space Echo – oben auf dem Verstärker – ist ein Schlüsselelement für Adriano BaTolbas Rockabilly-Sound.

 

Fifties-mäßiger Vintage-Klang

Zunächst ein Blick in die alten Zeiten, bevor wir zu Adriano BaTolba kommen, der uns einiges über das von ihm verwendete Space Echo verraten hat. Falls ihn tatsächlich jemand nicht kennt: Adriano ist einer der versiertesten Rockabilly-Gitarristen der Gegenwart – populär durch sein Trio, seine Big Band sowie unter anderem die Zusammenarbeit mit Dick Brave und Peter Kraus. Hall und Echo gehören zu den unersetzlichen Zutaten für einen Fifties-mäßigen Vintage-Klang. In den Urzeiten des Rock’n‘Roll gaben sich die Equipment-Hersteller alle Mühe, Geräte zu entwickeln, welche den Einsatz von Hall und Echo ermöglichen. Zur unverzichtbaren Ausrüstung zählten alsbald Federhall- und Bandechogeräte. Erstere lassen wir hier außen vor, da es ja vorrangig um Echo gehen soll. Und eben dieses Echo wird in besagten Geräten – vereinfacht dargestellt – mittels eines Magnettonbands erzeugt, welches über einen Aufnahmekopf läuft, dem das Gitarrensignal zugeführt wird. Anschließende werden die Töne über einen oder mehrere Abspielköpfe um Millisekunden verzögert an den Verstärker weitergeleitet, was den Echoeffekt erzeugt. Zudem ist auch Hall möglich.

Adriano ist unter anderem durch seine Zusammenarbeit mit Peter Kraus bekannt. Foto: Charlie Spieker

Neue Maßstäbe bezüglich Zuverlässigkeit und Sound

In den Fünfzigern und Sechzigern kam eine ganze Armada von Bandechogeräten auf den Markt – Ecco-Fonic, Echoplex, Copycat, Echomatic und wie sie alle heißen. Das gemeinsame Merkmal: große Störungsanfälligkeit wegen der sensiblen Technik mit vielen mechanischen Teilen. “Das Echoplex ist einfach verdammt unzuverlässig. Du musst es nur schräg von der Seite ansehen, dann sagt es Dir: ‘Vergiss es, ich arbeite heute nicht für Dich!‘“, klagte Brian Setzer einmal in einem Interview mit dem Vintage Guitar Magazine. Die Lösung bestand darin, auf das eingangs erwähnte Space Echo umzusteigen, mit dem der Hersteller Roland in den Siebzigern neue Maßstäbe bezüglich Zuverlässigkeit und Sound gesetzt hatte. Und eben solch ein Bandechogerät, wie es bei den Gigs von Brian Setzer oben auf seinem Verstärker steht, fiel uns während eines Konzerts auch bei Adriano BaTolba auf. Eine gute Gelegenheit, Näheres zu dem mysteriösen Teil zu erfahren.

Auch bei den Auftritten mit der Big Band ist das Space Echo immer dabei. Foto: davidu photograpy

Adriano BaTolba zum Space Echo

Rockabilly Rules (RR): Für den Laien sieht das, was sich unter der Abdeckung des Space Echo verbirgt, nach reichlich Bandsalat aus. Was hat es damit auf sich?

Adriano: Ja, das ist tatsächlich ein wilder Anblick, wenn man den Deckel anhebt: Da schlängelt sich das endlose Band immer wieder an den Tonköpfen vorbei. Und man kann kaum glauben, dass es sich nicht verknotet.

Bandsalat? – Nein, Technik aus den Siebzigern für von den Fünfzigern inspirierten Rockabilly-Sound!

RR: Was macht den Reiz des Space Echo aus?

Adriano: Der Sound ist einfach genau das, wonach ich bei einem Rockabilly-Sound suche: Die Bandkompression liefert genau den richtigen Anteil an Schmutz und Verzerrung und gibt mir die Möglichkeit, durch die Art meines Spiels diese Parameter zu kontrollieren.

RR: Solch ein originales altes Gerät findet man sicher nicht an jeder Ecke. Woher hast Du Dein Space Echo?

Adriano: Mein erstes Space Echo habe ich vor 25 Jahren auf eBay ersteigert. Das war das Gerät mit der Bezeichnung RE-201. Vor einigen Jahren habe ich dann von einem Kollegen das Nachfolgemodell RE-301 erstanden, welches dieser schon Jahre im Keller stehen hatte. Beide kommen regelmäßig zum Einsatz, wobei das 301 momentan mein Favorit ist.

RR: Nervt es Dich nicht manchmal, den recht sperrigen und schweren Klotz mitzunehmen? Gibt es wirklich einen merklichen Unterschied zu digitalen Echo-Simulationen?

Adriano: Nein, für mich gehört es einfach dazu, das entsprechende Equipment mit zum Gig zu bringen. Und wenn es dann ein Flightcase mehr ist, dann ist das halt so. Ich habe bei meinen Effektpedalen die digitale Variante des Space Echo, und obwohl die nicht schlecht klingt, kommt sie nicht an das Original heran.

RR: Ein ordentliches Echo zu haben, dürfte nur die halbe Miete sein. Was sind die weiteren Schlüsselelemente, die Rockabilly so klingen lassen, wie er von Dir gespielt wird?

Adriano: Natürlich ist meine bevorzugte Gitarre – eine 1959er Gretsch 6120 – ein weiteres Schlüsselelement. Diese in Kombination mit einem Fender-Röhrenverstärker, wie zum Beispiel meinem 1964er Bandmaster, ist schon ein gutes Team. Mit dem Amp ist es quasi genauso wie mit dem Echo: Der klobige Fender-Verstärker hat genau einen Sound, aber der ist mega. Ich kenne viele Kollegen, die 20 verschiedene Sounds anbieten. Das war noch nie mein Ding. Ich habe quasi zwei Sounds: Laut und leise, aber die sollen dann bitte kompromisslos gut sein!

Adrianos Gretsch 6120 von 1959 und das von ihm derzeit favorisierte Roland RE-301, welches neben Echo und Hall auch Chorus-Effekte ermöglicht.

RR: Zuletzt hast Du die CD “How Much Does It Cost If It’s Free“ in der Trio-Besetzung veröffentlicht, davor die Big-Band-Sachen. Sind bereits ein neues Album oder besondere Projekte in Planung?

Adriano: Ja, das ist witzig, dass Du das fragst. Gerade in den letzten Wochen haben mich verschiedene Leute bei Konzerten auf die Bigband angesprochen. Ich hab da auch schon die eine oder andere Idee … Aber auch für das Trio haben sich schon neue Songs ergeben … Mal schauen, was zuerst passiert. Momentan produziere ich gerade das Soloalbum von Didi Beck, dem Bassisten von Boppin B. Und für die Silverettes gibt es ebenfalls schon ein Konzept für die nächste Platte … Und live dürfen wir ja momentan auch noch auftreten. Da steht im Frühjahr 23 die Tour mit Peter Kraus zu dem von mir produzierten Swing-Album an, welches übrigens bis auf Platz 1 der Jazzcharts geklettert ist.

RR: Besten Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

Mehr zu den vielfältigen Projekten von André Tolba, alias Adriano BaTolba unter www.andre-tolba.de – und speziell zum Trio unter www.adrianobatolbatrio.com

Die CD “How Much Does It Cost If It’s Free?” bereichern als “Special Guests” der britische Gitarrist Darrel Higham, die fantastischen Silverettes sowie die texanische Sängerin Patricia Vonne.

 

Das Album “13 Renegades“ bietet Big-Band-Tracks mit 13-köpfigem Orchester.